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Martin Jakob


Entrümpelung à la Art

31. Mai - 28. Juni 2014





Artivismus Popera

"Das könnte ja ne Arbeit sein." Wie oft habe ich den Spruch gehört, sobald ich ein paar Bier aus dem Lager geholt habe, während die Künstlergäste über meine Schulter blickten. Gemeint war damit der fragwürdige Zustand meines Abstellraumes - das Chaos. Martin Jakob setzte diese Idee nun schließlich um. Bisher hatte sich niemand wirklich weiter hinein getraut, als gerade Mal bis zu den Bierkästen nahe der Tür. Agil muss man sein, um sich durch diese Unordnung zu schlängeln. Diese Fähigkeit hat Jakob bereits ein paar Mal bewiesen, als er z.B. zu einer Gruppenausstellung in Zürich mit nichts als leeren Händen und dem Vorsatz "mit dem von den Kollegen übrig gebliebenen Abfall zu arbeiten" ankam (¹) oder als er sich vom Abstellraum einer Genfer Institution an stangenartigem Material bediente, welches er dem Umfang seiner ausgestreckten Arme entsprechend verband (²).

Im zqm hat sich Jakob performativ an die Arbeit gemacht. Zunächst fertigte er in der Abstellkammer eine Reihe von Zeichnungen von dem einzig noch vollständig Sichtbaren: den Zwischenräumen. Als diese fertig gestellt war, und damit eine Art archäologische Karte meines Durcheinanders, griff Jakob fester zu, und lud das Allerlei aus - immer auf dessen Potential achtend. Es musste nun entschieden werden, was zur Entsorgungsstelle gefahren, was unten im Keller oder oben in der Wohnung zwischengelagert wird, und welche Stücke im Ausstellungsraum für eine spätere Verarbeitung gesammelt werden. Eine Art Entrümpelung.Dass wir aus den Materialschichten so viele glückliche Funde bergen würden hätten wir nie gedacht. Sie entpuppten sich im Ausstellungsraum als ein Verweis auf die Kunstgeschichte - zwischen klassischer Postmoderne, Arte Povera bis zu den poppigen Sechzigern und darüber hinaus.
Die ausgezeichneten restlichen siebenundachtzig Zentimeter eines mit dem Bügeleisen zu befestigenden PVC-Plattenkantenschutzbandes in Wei▀(!); jede Menge Neonröhren; einen liebevoll verpackten Stapel Keilrahmen, der von mir so schräg an der Wand aufgehängt worden ist, dass ein Keil bestens dazwischen reingepasst hätte - oder eben eine Spraydose; Schrauben in allen Formen und Farben; Brettchen an Winkeln befestigt, Winkel an Brettchen verschraubt - schlie▀lich eben Winkelbrettchen konstruktivistisch schief aufgetürmt; Holzböcke, Lochplatte und lauter Zeug, darunter Kunstwerke im Teil und im Ganzen; und - Oh bonheur! - diese seltsam quasi rechteckig beschnittene durchbohrte und mit Bleistift gekennzeichnete Spanplatte mit einem Umfang von siebenundachtzig Zentimetern!

Eric Emery, Mai 2014

(¹) Je n'ai pas de plan, 2013 - Plattform 13, Zürich
(²) Longueurs de brasse, 2013 - Staging Point, Piano Nobile, Genf

























Alle Fotos: (c) Christophe Egger, 2014


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